Professionelle Videoüberwachung nach ÖNORM EN 62676-4: Von DORI-Planung bis DSGVO-Zonenschutz
Eine Kamera liefert nur dann gerichtsverwertbare Bilder, wenn Pixeldichte und Blickwinkel stimmen. Hier erfahren Sie einfach und verständlich auf den Punkt gebracht, wie die DORI-Norm funktioniert und wie Sie sich vor teuren DSGVO-Strafen in Österreich schützen.
Auf den Punkt gebracht: Die 60-Sekunden-Erklärung
Alltagsbilder statt Fachchinesisch (Das Fernglas-Prinzip)
🔭 Das Alltagsbild: Das Fernglas mit Namensschild
Schauen Sie durch ein Fernglas auf die andere Straßenseite: Sie sehen zuerst nur, dass dort überhaupt ein Mensch steht (Detektieren). Wenn er näher kommt, erkennen Sie seine rote Jacke (Beobachten). Am Gartentor sehen Sie: „Aha, das ist der Nachbar!“ (Wiedererkennen). Aber erst, wenn er vor der Haustür steht, sieht die Kamera die Narbe an der Augenbraue und die Augenfarbe (Identifizieren). Ohne exakte Berechnung haben Sie bei Nacht nur einen verschwommenen Schatten – und die Polizei kann nichts damit anfangen.
DORI-Kriterien (ÖNORM EN 62676-4)
Auf Deutsch: Die „Kein-Pixelbrei-Garantie“. Wir berechnen vor der Montage mathematisch, ab welcher Entfernung ein Gesicht vor Gericht standhält.
Privacy Masking (DSGVO)
Auf Deutsch: Die „digitale Scheuklappe“. Die Kamera schwärzt Nachbargärten und Gehwege automatisch aus – voller Schutz ohne Rechtsstreit.
⚠️ Die 3 teuersten Denkfehler bei Videoüberwachung:
- „Eine 4K-Kamera fängt automatisch alles scharf ein.“ (Falsch: Bei falscher Brennweite filmt sie riesige Blumenbeete, aber Gesichter bleiben zu klein).
- „Ich darf mein Auto filmen, auch wenn es auf der öffentlichen Straße steht.“ (Falsch: In Österreich nach DSGVO strikt verboten – droht Beschwerde bei der Datenschutzbehörde!).
- „WLAN-Kameras sind flexibler und billiger.“ (Falsch: Ein 20-Euro-Jammer legt WLAN-Kameras lahm. Nur PoE-Kabel bieten Ausfallsicherheit).
1. Die DORI-Planungsmatrix (ÖNORM EN 62676-4)
Die Norm definiert exakte Pixeldichten pro Meter Zielbreite ($px/m$):
| Stufe | Pixeldichte | Ziel | Bedeutung vor Gericht |
|---|---|---|---|
| Detection | $25\, ext{px/m}$ | Wahrnehmen | Reine Anwesenheitskontrolle (Person ja/nein) |
| Observation | $62{,}5\, ext{px/m}$ | Beobachten | Kleidungsfarben, Gangbild erkennbar |
| Recognition | $125\, ext{px/m}$ | Wiedererkennen | Bekannte Personen zweifelsfrei wiedererkennbar |
| Identification | $250\, ext{px/m}$ | Identifizieren | Gerichtsfeste Überführung unbekannter Täter |
2. Bauformen: Dome vs. Bullet vs. PTZ
- Fix-Dome (Kuppelkamera): Schlagfest nach IK10-Vandalismusschutz. Dank getönter Kuppel sieht niemand von außen, wohin das Objektiv zielt.
- Bullet (Zylinder): Weite Reichweite und starke Infrarotstrahler, ideal für Außenfassaden in großer Höhe.
- PTZ (Schwenkbar): Motorisch steuerbar; ideal für Firmenparkplätze mit Pförtner oder Leitstelle.
3. Österreichisches Datenschutzrecht (DSG §§ 12/13 & OVE R9)
- Hinweisschild nach Art. 13 DSGVO: Pflicht an jedem Eingang mit Kamerasymbol und Betreiberdaten.
- 72-Stunden-Regel: Automatische Überschreibung der Aufnahmen nach 3 Tagen.
- Privacy Masking: Feste Schwärzung öffentlicher Verkehrsflächen direkt im Sensor.
5-Punkte-DSGVO-Kameracheck für Wiener Betriebe
Schützen Sie Ihr Unternehmen vor Bußgeldern der Datenschutzbehörde:
- ◻️ Kein öffentlicher Grund: Sind Gehwege und Nachbargärten technisch zuverlässig ausgeblendet?
- ◻️ Beschilderung: Hängt ein normgerechtes Kameraschild mit Kontaktdaten vor dem Betreten?
- ◻️ Löschfrist: Ist der NVR auf automatische 72-Stunden-Überschreibung eingestellt?
- ◻️ Passwortschutz: Sind die Werkspasswörter (admin/1234) geändert und die Ports gegen Botnetze gehärtet?