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ÖNORM EN 62676-4 · OVE R9 · PRAXIS-LEITFADEN 10 Min. Lesezeit · Stand: Oktober 2026

Professionelle Videoüberwachung nach ÖNORM EN 62676-4: Von DORI-Planung bis DSGVO-Zonenschutz

Eine Kamera liefert nur dann gerichtsverwertbare Bilder, wenn Pixeldichte und Blickwinkel stimmen. Hier erfahren Sie einfach und verständlich auf den Punkt gebracht, wie die DORI-Norm funktioniert und wie Sie sich vor teuren DSGVO-Strafen in Österreich schützen.

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Auf den Punkt gebracht: Die 60-Sekunden-Erklärung

Alltagsbilder statt Fachchinesisch (Das Fernglas-Prinzip)

🔭 Das Alltagsbild: Das Fernglas mit Namensschild

Schauen Sie durch ein Fernglas auf die andere Straßenseite: Sie sehen zuerst nur, dass dort überhaupt ein Mensch steht (Detektieren). Wenn er näher kommt, erkennen Sie seine rote Jacke (Beobachten). Am Gartentor sehen Sie: „Aha, das ist der Nachbar!“ (Wiedererkennen). Aber erst, wenn er vor der Haustür steht, sieht die Kamera die Narbe an der Augenbraue und die Augenfarbe (Identifizieren). Ohne exakte Berechnung haben Sie bei Nacht nur einen verschwommenen Schatten – und die Polizei kann nichts damit anfangen.

Fachbegriff:

DORI-Kriterien (ÖNORM EN 62676-4)

Auf Deutsch: Die „Kein-Pixelbrei-Garantie“. Wir berechnen vor der Montage mathematisch, ab welcher Entfernung ein Gesicht vor Gericht standhält.

Fachbegriff:

Privacy Masking (DSGVO)

Auf Deutsch: Die „digitale Scheuklappe“. Die Kamera schwärzt Nachbargärten und Gehwege automatisch aus – voller Schutz ohne Rechtsstreit.

⚠️ Die 3 teuersten Denkfehler bei Videoüberwachung:
  1. „Eine 4K-Kamera fängt automatisch alles scharf ein.“ (Falsch: Bei falscher Brennweite filmt sie riesige Blumenbeete, aber Gesichter bleiben zu klein).
  2. „Ich darf mein Auto filmen, auch wenn es auf der öffentlichen Straße steht.“ (Falsch: In Österreich nach DSGVO strikt verboten – droht Beschwerde bei der Datenschutzbehörde!).
  3. „WLAN-Kameras sind flexibler und billiger.“ (Falsch: Ein 20-Euro-Jammer legt WLAN-Kameras lahm. Nur PoE-Kabel bieten Ausfallsicherheit).

1. Die DORI-Planungsmatrix (ÖNORM EN 62676-4)

Die Norm definiert exakte Pixeldichten pro Meter Zielbreite ($px/m$):

StufePixeldichteZielBedeutung vor Gericht
Detection$25\, ext{px/m}$WahrnehmenReine Anwesenheitskontrolle (Person ja/nein)
Observation$62{,}5\, ext{px/m}$BeobachtenKleidungsfarben, Gangbild erkennbar
Recognition$125\, ext{px/m}$WiedererkennenBekannte Personen zweifelsfrei wiedererkennbar
Identification$250\, ext{px/m}$IdentifizierenGerichtsfeste Überführung unbekannter Täter

2. Bauformen: Dome vs. Bullet vs. PTZ

  • Fix-Dome (Kuppelkamera): Schlagfest nach IK10-Vandalismusschutz. Dank getönter Kuppel sieht niemand von außen, wohin das Objektiv zielt.
  • Bullet (Zylinder): Weite Reichweite und starke Infrarotstrahler, ideal für Außenfassaden in großer Höhe.
  • PTZ (Schwenkbar): Motorisch steuerbar; ideal für Firmenparkplätze mit Pförtner oder Leitstelle.

3. Österreichisches Datenschutzrecht (DSG §§ 12/13 & OVE R9)

  • Hinweisschild nach Art. 13 DSGVO: Pflicht an jedem Eingang mit Kamerasymbol und Betreiberdaten.
  • 72-Stunden-Regel: Automatische Überschreibung der Aufnahmen nach 3 Tagen.
  • Privacy Masking: Feste Schwärzung öffentlicher Verkehrsflächen direkt im Sensor.
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5-Punkte-DSGVO-Kameracheck für Wiener Betriebe

Schützen Sie Ihr Unternehmen vor Bußgeldern der Datenschutzbehörde:

  • ◻️ Kein öffentlicher Grund: Sind Gehwege und Nachbargärten technisch zuverlässig ausgeblendet?
  • ◻️ Beschilderung: Hängt ein normgerechtes Kameraschild mit Kontaktdaten vor dem Betreten?
  • ◻️ Löschfrist: Ist der NVR auf automatische 72-Stunden-Überschreibung eingestellt?
  • ◻️ Passwortschutz: Sind die Werkspasswörter (admin/1234) geändert und die Ports gegen Botnetze gehärtet?

4. Häufig gestellte Fragen (FAQ) für Eigentümer & Betriebe

Was bedeuten die DORI-Stufen in der Praxis? +
DORI steht für Detektieren (25 px/m - Man sieht, da ist ein Mensch), Beobachten (62,5 px/m - Man sieht Kleidung), Wiedererkennen (125 px/m - Bekannte Gesichter werden erkannt) und Identifizieren (250 px/m - Gerichtsfeste Gesichtszüge für die Kriminalpolizei). Ohne DORI-Berechnung erhalten Sie im Ernstfall nur unbrauchbaren Pixelbrei.
Darf ich den Gehsteig vor meinem Haus oder Nachbars Garten filmen? +
Nein, in Österreich ist das nach DSGVO und § 12 DSG streng untersagt. Sie dürfen ausschließlich das eigene Grundstück überwachen. Protect Vision löst dies über softwareseitiges Privacy Masking: Öffentliche Gehsteige oder Nachbarfenster werden direkt im Kamerasensor dauerhaft geschwärzt.
Wie lange dürfen Videoaufnahmen in Österreich gespeichert werden? +
Die Regelspeicherfrist in Österreich beträgt 72 Stunden. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Rekorder alte Aufnahmen automatisiert überschreiben, es sei denn, ein konkreter Vorfall muss als Beweismittel für die Polizei gesichert werden.
Warum glimmen manche Kameras bei Nacht rot und andere nicht? +
Standard-Kameras nutzen 850-Nanometer-Infrarotlicht; die LEDs glimmen dezent rötlich. Für hochdiskrete Überwachung verbauen wir 940-Nanometer Covert-Black-IR: Dieses Licht ist für das menschliche Auge absolut unsichtbar.
Warum sind kabelgebundene PoE-Kameras besser als WLAN-Kameras? +
WLAN-Kameras lassen sich mit billigen Störsendern (Jammern) aus dem Internet in Sekundenschnelle lahmlegen. Kabelgebundene PoE-Kameras erhalten Strom und Daten über ein massives Cat.6A-Kabel – absolut störungsfrei, sabotagesicher und ohne Funkloch.
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